Anmerkungen zu Venedig, 1728

Politische, wirtschaftliche und soziale Fragen stehen für den Aufklärer Montesquieu im Vordergrund seiner Betrachtungen zu Venedig, das er in den Monaten August/September 1728 besuchte. Warum war das venezianische Staatswesen so schwach? Welche Kräfte waren am Werk, die das System aushöhlten? Über Wirtschaftsfragen, Sozialformen des Adels, die Ökologie der Lagune, den Einfluss der Kirche, die Prostitution. Die Schönheiten der Lagunenstadt wirkten eher am Rande auf den Philosophen ein, aber: „Es gibt nichts Schöneres, als Venedig vom Glockenturm von San Marco aus zu betrachten: man sieht die Anlage des Lido und alle Inseln der Lagune.“


Charles-Louis de Montesquieu
Anmerkungen zu Venedig, 1728
Politik. Wirtschaft. Gesellschaft. Natur
Übersetzt und kommentiert von Jochem Rudersdorf
ca. 80 S., ca. 15 Abb., Softcover
ca. 10 €
ISBN 978-3-947838-06-6


Venedig, 18. Jahrhundert, Aufklärung, Reisen, Gesellschaft Venedigs, Wirtschaft Venedigs


Was die Geheimhaltung von Politik angeht, ist sie in einer solchen Auflösung, dass sie anscheinend kaum mehr ein Geheimnis zu bewahren hat.
Noch nie hat man so viele Fromme gesehen und so wenig Gottergebenheit wie in Italien. Man muss dennoch zugeben, dass die Venezianer und die Venezianerinnen von einer Frömmigkeit sind, die faszinierend ist: Ein Mann kann eine Dirne unterhalten, er wird aber um alles in der Welt nicht seine Messe versäumen; und glauben Sie nicht, dass sich die Kurtisanen in den Kirchen ihre Affären verderben lassen. Das Volk von Venedig ist das beste Volk der Welt: Es gibt keine Aufpasser bei den Schauspielen und man hört keinen Krach; und man sieht hier keinen Streit. (Charles-Louis de Montesquieu)